Martin Luther-Denkmal in Eisleben

Es war das Jahr 1517 als Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche von Wittenberg angeschlagen haben soll und diese schließlich die Reformation in die Gänge brachte. Bekanntlich führte die Reformation innerhalb von Deutschland und großen Teilen Europas 1618 zum Dreißigjährigen Krieg, der erst 1648 mit dem „Westfälischen Frieden“ endete. Doch schon viele Jahre vor Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges kam es in Medingen zu zum Teil sehr heftigen Auseinandersetzungen, denn bereits im Jahr 1530 ordnete der Landesherr Herzog Ernst I. „Der Bekenner“ zu Braunschweig-Lüneburg an, dass die Menschen seines Herrschaftsbereiches zum lutherischen Glauben zu konvertieren hätten. So wurden  auch die Kirchen der Gemeinden Wichmannsburg und Altenmedingen bereits im Jahre 1530 zu evangelisch reformierten Kirchen. Anders jedoch sah es in Medingen selbst aus.  

Ernst der Bekenner – Herzog zu Braunschweig-Lüneburg
1520-1546

Herzog Ernst I., auch „Der Bekenner“ genannt, wurde 1497 in Uelzen geboren. 1519 begann er sein Studium in Wittenberg. Während seines Studiums kam es vermutlich auch zu persönlichen Kontakten mit Martin Luther, der an der Universität Vorträge hielt. Man darf davon ausgehen, dass Herzog Ernst I. Vorlesungen des jungen Reformators besucht haben muss. 1521 wurde Herzog Ernst I. Fürst von Lüneburg. Dieses Amt hatte er bis 1546 inne. Schon im Jahre 1525, also lange vor der Reformation, bekannte er sich zur Lehre Luthers, was ihm schließlich auch den Beinamen „Der Bekenner“ einbrachte. So unterschrieb er bereits im Jahre 1530 auf dem Augsburger Reichstag das Augsburger Bekenntnis.

Wie schon erwähnt, war das Kloster Medingen seit 1228 ein Konvent der Zisterzienserinnen, in dem im 16. Jahrhundert über 100 Nonnen lebten. Die Nonnen, die im Konvent des Zisterzienser Ordens in Medingen lebten, weigerten sich jedoch der Anordnung ihres Landesherren zu folgen. So kam es schließlich zu einem offenen Streit mit dem Herzog Ernst I. dem Bekenner, ein Streit, der über dreißig Jahre andauern sollte. In diesem Streit verbrannte die Äbtissin des Klosters, Elisabeth von Evern, im Jahre 1524 sogar öffentlich eine Lutherbibel, was den Streit noch weiter anheizte. 1529 wurde der Probst des Klosters vom Herzog in Celle abgesetzt, weil auch dieser gegen die Reform war. Auch die Nachfolgerin der Äbtissin Elisabeth von Evern, Äbtissin Mario von Stöterogge, war gegen die Reform des Klosters.

Nach dem mittlerweile Jahrzehnte andauernden Streit mit den Nonnen reiste Herzog Ernst 1536 persönlich nach Medingen und ließ, weil sich die Nonnen weiterhin vehement weigerten zum lutherischen Glauben zu konvertieren, sogar Teile des Klosters einreißen. 1539 ließ Herzog Ernst auch den Klosterbesitz einziehen.

Im Jahre 1541 begann Herzog Ernst I. mit dem Bau eines neuen Klosters in Medingen. Es sollte ein lutherischer Damenstift werden. Vermutlich war es sogar der erste evangelische Klosterbau in ganz Deutschland nach der Reformation. Ab 1542 ließ der dann auch sämtliche Einkünfte des Klosters beschlagnahmen, vermutlich auch um die damals leeren Kassen seines Landes wieder auffüllen zu können.

Schnitzereien des Altars in Wichmannsburg

Ausschnitt von Schnitzaltar in Altenmedingen

Als die Nonnen erkannten, dass sie wohl kaum mehr etwas ausrichten konnten, floh die Äbtissin Margaretha II. nach Hildesheim und soll dabei einige der wertvollen Schätze ihres Klosters mitgenommen haben. Doch wohl schon vorher schienen die Nonnen einige der kostbaren Kunstschätze, um diese zu retten, in Sicherheit gebracht zu haben.  Auf diese Weise, so wird vermutet, kam der wertvolle Schnitzaltar der Kirche von Medingen in die St. Georgs-Kirche nach Wichmannsburg, wo er heute noch zu bewundern ist. Auch der Schnitzaltar der Kirche St. Mauritius von Altenmedingen kam vermutlich aus dem gleich Grund von Medingen an seinen jetzigen Standort. Ob die Altäre möglicherweise versteckt oder irgendwo anders zwischengelagert wurden ist nicht bekannt.

Klosterkirche von Medingen

Im Jahre 1555 gaben schließlich auch die letzten in Medingen verbliebenen Nonnen auf. So wurde 1559 aus dem gesamten Kloster ein evangelischer Damenstift. Doch leider wurden auch während des Dreißigjährigen Krieges erneut Teile des Klosters wieder beschädigt und nach einem Brand im Jahre 1781, der große Teile des Klosters vernichtet hatte, entstand der Neubau des Klosters, so wie wir ihn heute kennen, im barocken, klassizistischen Stil. Er wurde am 24. August 1788 feierlich eingeweiht.

Michael Jorek