Pastor Tobias Heyden

Überall ein großes schwarzes Nichts – endlose Weiten, unerforschlich und unergründlich. Und mitten drin ein blauer Planet. In sich grenzenlos und voller Leben schiebt sie sich, unsere Erde, durchs Weltall. Majestätisch, geradezu mystisch muss es wirken, wenn die Strahlen der Sonne die Erde leuchten lassen. So muss er sein, der Blick von da oben auf unsere Welt.

Während ich diese Zeilen schreibe, macht sich Alexander Gerst auf den Spuren von Juri Gagarin auf den Weg, das Weltall zu erkunden. Er geht in die Ferne, um uns hier unten besser zu verstehen. Manchmal braucht es diesen Schritt hinaus, um eine neue Sicht auf die eigene Welt zu gewinnen.

Viele machen sich in den kommenden Monaten auf, diese Welt zu erkunden. Der Sommerurlaub steht an. Es ist eine kleine Auszeit vom Alltagsstress, eine besondere Zeit für die Familie. Es ist eine Zeit, um innezuhalten und zurückzuschauen. Und es ist eine Zeit, um neue Energie zu tanken für die kommende Zeit. Dabei ist es gar nicht so wichtig, ob die Reise nun weit wegführt oder ob man die freie Zeit zu Hause genießt. Vielmehr geht es darum, einmal Abstand vom Alltag zu gewinnen und den eigenen Blickwinkel zu verändern.

Gott selbst hat diesen Weg immer wieder für uns Menschen gewählt. Die Israeliten wanderten mit Moses hinaus, um sich selbst zu finden. Die Propheten, wie zum Beispiel Jona, verließen ihre Heimat, um Gottes Wort zu verkünden. Und auch Jesus nahm sich immer wieder Auszeiten, um selbst einen klaren Blick zu behalten und sich immer wieder seines Auftrags bewusst zu werden. Am Ende ging es aber auch immer wieder zurück. Die Israeliten fanden ihre Heimat.

Die Propheten brachten die Menschen zurück zu Gott. Und Jesus wandte sich wieder dieser Welt zu und brachte Gottes Liebe unter die Menschen.

So sehr es uns in diesen Tagen auch in die Ferne zieht, am Ende ist es gut, auch wieder zurückzukommen und all die Kraft und die neu gewonnene Energie mitzunehmen, damit wir hier füreinander da sein können. Damit wir hier unser Leben gemeinsam gestalten können – in den Orten, in der Nachbarschaft, in der Familie, in der Gemeinde. Denn so sehr die Ferne und das Unentdeckte auch lockt, hier zu Hause ist der Ort, an dem wir diese Erde in ihrer ganzen Großartigkeit schon im Kleinen zu etwas Besonderem machen, weil wir hier unseren Beitrag für eine wundervolle Welt leisten können.

Alexander Gerst sagte es einmal so: „Ich dachte, der Weltraum sei ein besonderer Ort. Was ich da oben gelernt habe, ist, dass er genau das Gegenteil davon ist: Es gibt zwar viele interessante Objekte dort draußen, die es sehr wert sind, von uns gründlich erforscht zu werden. Aber der gigantische Rest des Weltraumes ist schwarz, öde und lebensfeindlich. Der wirklich, wirklich besondere Ort darin, das ist unser einzigartiger blauer Heimatplanet.“

In diesem Sinne wünsche ich allen eine gesegnete Sommerzeit, wundervolle Urlaube, und kommen sie wohlbehütet zurück.

Ihr Pastor Tobias Heyden