Pastor Tobias Heyden

Plötzlich verdunkelte sich der Himmel. Wo gerade noch die Sonne vom Himmel brannte, da schoben sich tiefgraue Wolken vor das gleißende Licht und vor das Blau des Horizonts. Immer mehr bogen sich die Bäume in den aufkommenden Böen. Regen fegte waagerecht über die Straße, und der Wind nahm mit sich, was keinen festen Grund mehr hatte. Es war Sommer, doch die Natur zeigte sich von ihrer wilden und unbarmherzigen Seite. Ich saß im Auto auf der Straße zwischen meinen Gemeinden, und das Wetter schlug beängstigend gegen das Auto. Schon bald hörte man, wie überall in den umliegenden Gemeinden die Sirenen losgingen. Vielerorts waren Bäume umgestürzt und blockierten Straßen oder hatten gar Häuser beschädigt.

In den Tagen danach hörte ich von Menschen aus unseren Gemeinden, die von den Sturmschäden betroffen waren. Sie erzählten, wie Bäume einfach umgekippt waren und sie nun davor standen und zunächst nicht wussten, was sie tun sollten. Die Feuerwehr war im Dauereinsatz und in dem Moment nicht greifbar, gerade weil zum Glück auch keine akute Gefahr ausging. Aber allein ist man doch machtlos. Der umgestürzte Baum blieb nicht unbemerkt – wie auch, wenn es Nachbarn und Menschen gibt, die aufeinander achten und füreinander sorgen. Bald schon hatten sich alle um den Schaden versammelt. Kamen aus den Häusern, zum Teil bereits mit Motorsäge und Ausrüstung, um den Baum fachgerecht zu zerlegen und die Hinterlassenschaften des Sturms zu beseitigen.

Gut ist es, wenn Menschen aufeinander achten, füreinander da sind und sich gegenseitig unterstützen. Immer wieder können wir erleben, wie wertvoll es ist, wenn wir traurige, schwierige sowie wundervolle und freudige Momente mit anderen Menschen teilen dürfen. Wie schön es ist, wenn Menschen zu Trauungen, zu Taufen, Einschulungen oder anderen Feiern zusammenkommen. Wie wertvoll es ist, wenn Menschen auch die Trauer und den Schmerz mittragen, wenn einem schwierige Momente widerfahren. Nun, im beginnenden Herbst, feiern wir gemeinsam mit den Kirchengemeinden Bienenbüttel, Wichmannsburg und Altenmedingen das Erntedankfest. Viele Menschen werden zusammenkommen und gemeinsam danken – für die Ernte, für das Gute im Leben und eben auch für die Gemeinschaft, die Gott uns schenkt. Es ist immer eine Gemeinschaft, die Zukunft bringt, weil Menschen miteinander gestalten, weil Menschen aufeinander achten, weil Menschen füreinander sorgen.

Jetzt, wenn die Tage wieder kürzer werden, können wir diese Gemeinschaft ganz besonders erfahren. Wenn wir am Erntedankfest dafür danken, dass Menschen uns in unserem Leben auf vielfältige Art begleiten. Wenn wir an St. Martin auf Gottes Barmherzigkeit schauen. Oder wenn wir im November zurückdenken und uns erinnern an vergangene Zeiten und an Menschen, die bereits gegangen sind. Das wünsche ich uns allen. Dass wir diese Gemeinschaft erfahren dürfen und darin Gott immer wieder neu in unserem Leben entdecken und seine Nähe spüren können. So wie wir es dann am Erntedankfest singen werden:

Alle gute Gabe
kommt her von Gott dem Herrn,
drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm,
dankt und hofft auf ihn!

Ihr Pastor Tobias Heyden