Pastor Tobias Heyden

Die Straßen sind nass und das aufgeweichte Laub, das noch immer die Wege und Ränder säumt, liegt schmutzig am Wegesrand. Finster und bedrohlich ragen die Bäume an der Seite der Straße in den nicht erkennbaren Himmel. Durch eine schwarze Wand, die der herabfallende Nieselregen in die Nacht zaubert, suchen sich die Scheinwerfer meines Autos ihren Weg durch die Dunkelheit. Leise begleitet mich die Stimme des Radios auf meiner Fahrt. Aktuelle Meldungen des Tages werden diskutiert. Wenig Gutes ist passiert. Besorgniserregendes dominiert das Zeitgeschehen. Noch finsterer wirkt die Nacht.

Gerade jetzt in dieser Zeit kann die Finsternis der Nacht sich oft tief in unserem Innersten manifestieren. Die Tage werden immer kürzer und die Nächte immer dichter. Der November mit den Trauer- und Gedenktagen hinterlässt seine Spuren in unserer Seele. Die Erinnerungen an vergangene Tage werden wieder in uns lebendig und es schmerzt, was wir vermissen und weckt Sehnsüchte nach dem, was uns fehlt.

Mein Auto sucht sich weiter seinen Weg durch die Dunkelheit. Schmutzig glänzen die Pfützen dort, wo das Licht meiner Scheinwerfer sie im Vorbeifahren streift. Leise werden die Nachrichten durch sanfte Musik abgelöst. Im Hintergrund untermalt sie meine Fahrt und gibt ihr den rechten Soundtrack auf dem Weg nach Hause. Die Nacht aber bleibt undurchdringlich.

Das ausgehende Jahr ist geprägt von einer Zeit der Stille. Innehaltend schauen wir zurück auf das, was war, wartend blicken wir nach vorn, in der Hoffnung, in der undurchdringlichen Schwärze der Ungewissheit einen Blick auf das zu erhaschen, was die Dunkelheit in uns durchbricht. Der Advent begleitet uns durch diese Zeit. Mit dem beginnenden neuen Kirchenjahr führt er uns heraus aus dieser Dunkelheit. Noch ist es eine Zeit des Wartens, in der noch vieles, was zuvor in uns aufgebrochen war, uns im Innersten begleitet. Doch schon am Horizont zeigt sich das Licht der Heiligen Nacht. Das Licht, das herausführt aus der Dunkelheit und fortan die Welt erhellt.

Die Hirten auf dem Felde waren die ersten, die die frohe Botschaft auf Erden erfahren durften. In der finsteren Nacht hüteten sie die Herden. Ihr Leben war selbst von Dunkelheit und Sorgen geprägt. Ihre Nächte verbrachten sie draußen bei den Schafen, und die Ungewissheit um ihre Existenz war ihr steter Begleiter. Doch plötzlich erhellte sich die finstere Nacht, und ein neues Licht leuchtete in ihrem Leben. Voller Zuversicht sprach zu ihnen der Engel: „Fürchtet euch
nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird.“ Nicht die Dunkelheit soll fortan die Welt bestimmen, sondern die Hoffnung und die Zuversicht, dass eine andere Welt möglich ist.

Mein Auto kommt seinem Ziel immer näher. Die Nacht bleibt schwarz und undurchdringlich. Der Nieselregen hüllt wie mit einer nassen Decke die Finsternis ein. Der Scheinwerfer sucht sich fragend seinen Weg, während die Musik im Hintergrund die Szenerie leise untermalt. Am Horizont suchen sich die ersten Lichter des Ortes ihren Weg durch die Nacht und künden von belebten Häusern und wohliger Wärme. Bereits jetzt sind die ersten Sterne an den Laternen zu sehen und ein weiter Bogen voller Licht spannt sich über die Straße. So finster auch die Nacht zu sein scheint, das Licht durchbricht sie doch und erzählt schon von ferne davon, dass die Dunkelheit am Ende keinen Bestand hat.

So wünsche ich allen
eine gesegnete Adventszeit
und ein friedliches Weihnachtsfest,
das weiterwirkt über alle Zeit.

Ihr Pastor Tobias Heyden