Pastor Tobias Heyden

Es ist früh am Morgen. Auf mich wartet ein Termin in Hannover. Durch den bereits kühlen Morgen fahre ich mit dem Zug. Draußen ist es ungemütlich. Es regnet leise und der Himmel bedeckt sich mit einem einheitlichen Grau. Ich habe meinen Laptop mitgenommen, um unterwegs noch ein wenig arbeiten zu können. Doch daran war nicht zu denken. Ich wurde abgelenkt. Im übervollen Abteil saßen neben mir drei junge Erwachsene und spielten „Wer bin ich?“. Es ist das Spiel, bei dem jedem eine berühmte Persönlichkeit zugeschrieben wird – fiktiv oder real. Nur der Spieler selbst weiß nicht, wer er ist und muss es nun mit „Ja/Nein“-Fragen herausfinden. Es waren drei junge Menschen mit sehr viel Humor. Man sah, wie die Mitreisenden alle gespannt und äußerst amüsiert grinsend zuhörten. Am Ende einer Runde ergab sich unter den Spielenden folgender Dialog:

„Bin ich jemand aus der Bibel?“
„Nein“
„Warum wurde eigentlich die Bibel noch nie verfilmt?“
„Bist du dumm? Die Bibel wurde dauernd verfilmt?“
„Aber Adam und Eva noch nicht.“
„Das wäre auch ganz schön langweilig. Frau und Mann essen Apfel. Beide fliegen aus
dem Paradies. Ende.“
„Stimmt, aber wenn Megan Fox und Daniel Craig die Hauptrolle spielen, würde ich ihn gucken.“

Die drei haben recht. Die großen monumentalen Bibelverfilmungen sind bereits vor Jahrzehnten verfilmt und gespielt worden. Und in den letzten Jahren gab es wenige neue Verfilmungen, die versuchten, die alten Geschichten in moderne Bilder zu packen – ich denke an Ridley Scotts „Exodus“, der Neuverfilmung der Flucht aus Ägypten oder an „NOAH“, die Verfilmung der Sintflut mit Russell Crowe. Filme mit Starbesetzung, mit großen Bildern und herausragenden Effekten – das gilt für die alten Klassiker ebenso wie für die modernen Verfilmungen. Dabei finden sich die wichtigen Dinge in den Geschichten der Bibel oft in den kleinen Nebensätzen. Still und leise suchen sich die Worte der Bibel ihren Weg in unser Leben. Die großen Bilder braucht es dafür nicht (und trotzdem ist es gut, dass es sie gibt!). Einer der zentralen Sätze in dieser Zeit aus der Erzählung von Adam und Eva ist für mich:

Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist.

Jetzt in der uns bevorstehenden kalten und auch dunklen Jahreszeit. Der Zeit mit den Tagen, an denen wir auch der Verstorbenen gedenken. Es ist Aufforderung, Aufmunterung und Aufgabe, sich den Herausforderungen des Lebens nicht allein zu stellen. Gott hat uns einen oder sogar viele Menschen zur Seite gestellt, die uns auch durch schwierige Zeiten begleiten.

Als Adam und Eva eine ihrer dunkelsten Stunden erlebten – als sie aus dem Paradies
verbannt wurden, als sie miterleben mussten, wie einer ihrer Söhne den anderen erschlug, um dann zu fliehen, waren sie dieser Not nicht allein ausgesetzt, sondern konnten gemeinsam das Leid des anderen tragen. Ich wünsche uns allen, dass wir immer jemanden an der Seite haben, der mit uns durchs Leben geht. Jemanden, den Gott uns zur Seite gestellt hat, damit wir seine Liebe in unserem Leben spüren können. Denn:

Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist.

Ihr Pastor Tobias Heyden