Pastor Tobias Heyden

Warme Sonnenstrahlen suchen sich ihren Weg über die in der noch feuchten Frühlingsluft glitzernden Wiesen. Zwischen dem jungen Grün zeigen sich die ersten Blumen und bereichern die Landschaft mit ihren frischen Farben. Auch an Bäumen und Büschen bilden sich die ersten zarten Knospen. Nach dem Winter erwacht die Natur wieder zu neuem Leben. Es ist Frühling.

Für viele Menschen geht der Frühling mit dem Gedanken eines Neubeginns einher. Der Frühjahrsputz steht an, der Garten wird hergerichtet – die kräftiger werdende Sonne weckt die Lebensgeister. Die Müdigkeit des Winters wird abgeschüttelt, und das Jahr nimmt langsam Fahrt auf. Es ist eine Zeit des Aufbruchs, eine Zeit des Neubeginns – nicht umsonst feiern wir in dieser Zeit Ostern und Pfingsten.
Feiertage, die mit Auferstehung und der Ausgießung des Heiligen Geistes einen Neuanfang bereits in sich tragen. Immer wieder neu anzufangen ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Glaubens. Immer wieder erzählt die Bibel Geschichten, in denen Gott mit den Menschen neu beginnt. Die Geschichte von der Arche Noah ist eine solche. Aber auch die Erzählung von Mose, wie Gott mit ihm die Israeliten aus Ägypten herausführt, erzählt von einem Neubeginn und einem großen Aufbruch.

Unser Leben ist voller Neuanfänge, und immer wieder gilt es neu aufzubrechen und sich auf unbekanntes Terrain zu wagen. Ein neuer Job, Familienzuwachs, eine neue Liebe, Heirat, aber auch der Verlust eines geliebten Menschen durch Trennung oder gar den Tod – all das sind Momente, wo wir neu anfangen und uns einer neuen Lebenssituation stellen müssen. Neues kann beängstigend sein. Oft weiß ich nicht, was alles auf mich zukommt und ob ich es schaffen werde, die Herausforderungen zu meistern. Wie wird es sein mit der Verantwortung für einen kleinen Menschen? Wie komme ich damit klar, wenn ein für mich geliebter Mensch nicht mehr da ist? Bin ich den Anforderungen in meinem neuen Job gewachsen? All das sind Fragen, die Menschen vor einer neuen Situation in ihrem Leben umtreiben kann, die belasten oder zumindest herausfordern.

Dabei gehört es dazu, immer wieder neu anzufangen, neu aufzubrechen, sich neuen Herausforderungen zu stellen. Unser Glaube hilft uns dabei, in den eigenen Zweifeln nicht unterzugehen, sondern nach vorne zu schauen. Das Wunder der Auferstehung von Ostern gibt uns die Gewissheit. Immer wieder im Leben gehen Dinge zu Ende. Immer wieder nehmen wir Abschied von lieb gewonnenen Teilen unsres Lebens. Doch Gott hält einen Neuanfang für uns bereit. Auch wenn es unmöglich erscheint – er schenkt uns neue Möglichkeiten, neue Wege in unserem Leben.

Gott lässt uns nicht allein. Er ist da, wenn wir ihn brauchen auf allen Wegen unseres Lebens – Wege, die Gott von Beginn der Zeit an der Seite der Menschen bestritt. Ich wünsche uns in dieser österlichen Frühlingszeit, dass wir für unser Leben immer wieder diese neuen Möglichkeiten, diese neuen Wege sehen.

Ihr Pastor Tobias Heyden